Die Zahlen der Monitorspezifikationen der Hertseller steigen von Jahr zu Jahr. So auch die Frequenz bzw. Hertzzahl: Der neue ASUS ROG Strix XG248QSG Ace gibt 610 Hertz auf dem Papier an. Als Gamer fragt man sich zu Recht: Erkennt mein Auge diesen Unterschied überhaupt noch? Oder verbrenne ich hier nur Geld?
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Das Gesetz des abnehmenden Ertrags
Um zu verstehen, ob 610Hz sinnvoll sind, müssen wir uns die Zeit zwischen den Bildern (Frametime) ansehen. Hier zeigt sich schnell, dass die Verbesserungen immer kleiner werden.
- Der „Wow-Effekt“ (60Hz → 144Hz): Hier sparen wir fast 10 Millisekunden pro Bild ein. Das Ergebnis ist sofort sichtbar.
- Der High-End Bereich (360Hz → 610Hz): Hier beträgt der Zeitgewinn nur noch ca. 1,1 Millisekunden.
Das britische Fachmagazin TFTCentral, das auf dem Markt für seine tieftechnischen Display-Analysen mittels Oszilloskopen bekannt ist, liefert hier die entscheidenden Daten. In ihren Messungen zu aktuellen Ultra-High-Refresh-Monitoren (wie dem 540Hz Asus PG248QP) zeigen sie, dass die sogenannte „Signalverarbeitung“ – also die Zeit, die der Monitor braucht, um das Bild zu berechnen – mittlerweile bei winzigen 0,33 Millisekunden liegt.
Das bedeutet: Die Technik ist quasi „instant“. Der Unterschied in der Gesamtverzögerung (Total Lag) im Vergleich zu einem guten 360Hz-Monitor schrumpft auf weniger als eine Millisekunde zusammen. Technisch ist der 610Hz-Monitor zwar schneller, aber biologisch ist unser Gehirn hier der limitierende Faktor. Der Monitor wartet auf Sie, nicht umgekehrt.
Der eigentliche Vorteil: Bewegungsschärfe (Motion Blur)
Wenn wir die einzelnen Bilder kaum noch unterscheiden können, warum gibt es diese Monitore dann? Die Antwort liegt nicht in dem, was wir sehen (Bilder pro Sekunde), sondern wie klar wir es sehen.
Die Experten von Blur Busters, erklären das mit dem „Sample-and-Hold“-Effekt. Auf LCD- und OLED-Displays verschwimmen schnelle Bewegungen (z. B. eine schnelle Drehung in Counter-Strike). Das bedeutet, währendem auf anderen monitoren die Konturen der Charaktere bei sehr schnellen Bewegungen nicht gestochen scharf sind, kann das theoretisch die Leistung des Spielers beeinflussen.
- Die Analyse von Blur Busters: Um Bewegungsunschärfe komplett zu eliminieren und die Realität perfekt zu simulieren, bräuchten wir theoretisch 1000Hz.
- Die Bedeutung für 610Hz: Ein 610Hz-Monitor stellt Bewegungen tatsächlich schärfer dar als ein 360Hz-Modell. Die Silhouette des Gegners bleibt beim „Flicken“ (schnellen Zielen) klarer.
Macht dich der Monitor zum besseren Spieler?
Das ist die wichtigste Frage. Hilft die Technik beim Gewinnen?
Hierzu lohnt sich ein Blick auf eine viel beachtete Studie von Nvidia Research in Zusammenarbeit mit dem Tech-YouTuber Linus Tech Tips. Dabei wurden E-Sport-Profis und Amateure unter Laborbedingungen getestet, um Ziele auf Monitoren mit verschiedenen Hertz-Zahlen zu treffen.
Die Ergebnisse des Experiments:
- 60Hz auf 144Hz: Die Trefferquote verbesserte sich bei allen Teilnehmern drastisch (visuell gelesen, etwa 50% Erhöhung bei jedem Teilnehmer des „Laborversuchs“).
- 144Hz auf 240Hz: Es gab noch Verbesserungen, aber sie waren deutlich kleiner (visuell geschätzt 4-5% höhere Trefferquoten).
- Ab 360Hz: Ab 360Hz: Hier zeigen offizielle Informationen von Nvidia nur noch eine Verbesserung der Zielgenauigkeit von ca. 4% gegenüber 240Hz.

Das Fazit: Ab einem gewissen Punkt ist der limitierende Faktor nicht mehr der Monitor, sondern eher die menschliche Hand-Auge-Koordination.
Das Hardware-Problem: Schafft dein PC das?
Ein 610Hz-Monitor bringt dementsprechend keinerlei Vorteile, wenn Ihr PC nicht auch konstant 610 FPS (Bilder pro Sekunde) berechnen kann.
Selbst mit einer Nvidia RTX 4090 und den schnellsten CPUs erreichen Sie diese Werte nur in einer Handvoll Spiele wie Valorant, CS2 oder League of Legends. In grafisch anspruchsvollen Titeln wie Call of Duty oder Apex Legends sind stabile 600+ FPS heute technisch kaum möglich. Fallen die FPS unter die Hertz-Zahl, verpufft der Effekt des teuren Monitors!
Also sinnvoll oder nicht?
Der Unterschied zwischen 320Hz und 610Hz ist technisch messbar, aber für das menschliche Auge am ganz äußersten Rand der Wahrnehmungsmöglichkeit.
- ✅ Nutzenempfehlung NUR für: Absolute E-Sport-Profis (Top 0,1%), die ihr Geld mit Valorant oder CS2 verdienen und jeden noch so winzigen technischen Vorteil brauchen, um Konkurrenten zu schlagen.
- du auf absolutem Top-Niveau in Valorant oder CS2 spielst
- du E-Sport-Profi oder Semi-Profi bist
- Geld keine Rolle spielt
- du extrem empfindlich auf Motion Blur reagierst
- ❌ Kein großartiger Mehrwert für: 99% aller Gamer. Wenn Sie bereits einen 240Hz oder 360Hz Monitor besitzen, ist der Unterschied vernachlässigbar. Gerade, wenn:
- du ein ambitionierter, aber normaler Hobby-Gamer bist
- du auch grafisch anspruchsvolle Singleplayer-Games spielst (Cyberpunk, GTA, etc.)
- dir hohe Auflösung und gute Farben wichtig sind
- 🟡 Trotzdem in Erwägung ziehen, wenn du bereit bist den zusätzlichen Preis auszugeben und sozusagen die exakt selben Bedingungen wie Weltmeister in deinem Zuhause haben willst, dann gibt es aber auch kaum noch Ausreden.